Bruch- und Standsicherheitsuntersuchung einer Eiche im Bereich Schulhof / Parkplatz

Ausgangslage

Im Bereich eines Schulhofs mit angrenzendem Parkplatz stand eine großkronige, alte Eiche. Aufgrund des regelmäßig hohen Personen- und Fahrzeugaufkommens kam der Verkehrssicherheit des Baumes eine besondere Bedeutung zu.

Als sichtbares Schadmerkmal fiel ein ausgeprägter Ameisenbefall im Stammfußbereich auf. Solche Befallsbilder gelten nicht als eigenständiger Schaden, sondern als Hinweis auf bereits vorhandene innere Holzschädigungen. Da sich der Verdacht auf eine strukturelle Schwächung im sicherheitsrelevanten Stammfußbereich richtete, wurde eine vertiefende, instrumentelle Untersuchung notwendig.

Untersuchungsziel

Ziel des Projektes war es,

  • den inneren Zustand des Stammfußes objektiv zu erfassen,
  • die tatsächliche Trag- und Bruchsicherheit des Baumes zu bewerten
  • und eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den weiteren Umgang mit dem Baum zu schaffen.

Eingesetzte Untersuchungsmethoden

Schalltomographie

Zunächst wurde eine Schalltomographie auf Stammfußhöhe durchgeführt. Mit dieser Methode lassen sich innere Holzstrukturen zerstörungsarm sichtbar machen. Die Messung zeigte eine großflächige Kernzersetzung im Inneren des Stammes. Tragfähiges Holz war überwiegend nur noch im äußeren Randbereich vorhanden, zudem war die Schädigung asymmetrisch ausgeprägt – ein statisch ungünstiger Zustand.

Zugversuch

Zur Ergänzung der Materialuntersuchung wurde anschließend ein statischer Zugversuch durchgeführt. Dabei wird der Baum kontrolliert belastet, um sein reales Verformungs- und Tragverhalten zu erfassen.
Der Baum erreichte die rechnerisch erforderlichen Sicherheitswerte zwar formal noch, jedoch ohne nennenswerte statische Reserve. Das gemessene Neigungsverhalten zeigte bereits ein nicht ideales, materialbedingt eingeschränktes Tragverhalten des Stammfußes.

Ergebnis der Gesamtbewertung

Die Kombination aus Schalltomographie und Zugversuch ergab ein klares Gesamtbild:

  • Der Stammfuß war innerlich stark geschädigt und teilweise hohl.
  • Die Tragwirkung beruhte nahezu ausschließlich auf einer verbleibenden Randzone.
  • Die Sicherheitsreserven waren gering und eine weitere Verschlechterung nicht prognostizierbar.

Aufgrund der Lage des Baumes im Bereich von Schulhof und Parkplatz – also einem dauerhaft stark frequentierten Umfeld – wurde der Baum als verkehrssicherheitsrelevant vorgeschädigt eingestuft.

Entscheidung und Bestätigung durch die Fällung

In der Gesamtabwägung wurde die Fällung als sicherste und verantwortungsvollste Maßnahme eingestuft.
Die nach der Fällung sichtbar gewordenen Schnittbilder bestätigten die Messergebnisse eindeutig: Der Stammfuß wies eine massive Hohlraumbildung und weitgehende Kernzersetzung auf. Damit zeigte sich, dass das tatsächliche Schadensausmaß von außen nicht zuverlässig erkennbar gewesen wäre.

Fazit

Dieses Projekt zeigt exemplarisch, wie wichtig moderne, zerstörungsarme Messverfahren in der Baumkontrolle sind – insbesondere an sensiblen Standorten mit hohem Personenverkehr. Erst die Kombination aus Sichtkontrolle, Schalltomographie und Zugversuch ermöglicht eine objektive, nachvollziehbare und sichere Entscheidungsfindung.